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KR Alfons Metzger

Menschen und Immobilien

Schon relativ früh begann Alfons Metzger mit seinen Aktivitäten in einer in den 60er-Jahren noch nicht vorhandenen Immobilienwirtschaft. Als Sohn in einem Gastgewerbebetrieb absolvierte er zwar die Ausbildung zum akademisch geprüften Hotel- und Tourismuskaufmann, doch den Betrieb selbst führte er nicht weiter. Ganz im Gegenteil: Das Elternhaus, in dem sich die Gastwirtschaft befand (heute das Kaffee Rochus am Rochusmarkt), wurde von ihm zu einem Büroprojekt entwickelt: Metzger: „Ich habe damals allerdings schon verstanden, wenn ich das Haus entwickle, bevor ich es verkaufe, dass die Chancen viel besser sind. Ein Bürohaus hat sich irgendwie logisch ergeben.“ 

Nach diesem ersten Projekt, das erfolgreich an eine Versicherung verkauft wurde, kam wieder die Gastronomie ins Spiel. Auf der einen Seite führte Metzger mit Burger King Gespräche um den Aufbau einer Schnellimbisskette, auf der anderen Seite hatte er ein Angebot der Swiss Air in Chile, den Markt für Touristik aufzubauen. Der Neo-Projektentwickler hatte aber ein viel drängenderes Problem zu lösen, denn mit dem Verkauf des Elternhauses hatte er keine Wohnung mehr. Sein Plan war, auf einem Grundstück in der Sieveringer Straße ein Wohnprojekt zu bauen und eine Wohnung für sich zu behalten. Das funktionierte auch problemlos, allerdings gab es einen Haken: „Die Wohnung, die ich für mich in dieser Anlage geplant hatte, war diejenige, die zu allererst verkauft wurde. Zu einem sehr guten Preis.“

Metzger entschied, dass es „vernünftiger sei“ in dieser Sparte zu bleiben und widmete sich dem Bauträgergeschäft. „Die Immobilienbranche erschien mir spannender als irgendwelchen Leuten ein paar Schnitzel hinzustellen“, so Metzger heute, „auch wenn alles auf dem Prinzip „Learning by Doing“ aufgebaut war.“ Mit seinem Unternehmen „Individuelles Wohnen“ spezialisierte er sich auf kleine Anlagen mit wenigen, aber exklusiven Wohnungen. Sein Büro hatte er damals – so wie heute – in der Gumpendorfer Straße 72. Da er selbst nur ein Zimmer benötigte, wurden die anderen vermietet – an ein Architekturbüro. Dieses war unter anderem mit einem großen Projekt beauftragt: der Überbauung des Franz-Josefs-Bahnhofs. Dabei war Metzger zwar nur „am Rande involviert, aber mit dieser Überbauung wurde ein ganzes Stadtviertel entwickelt und da habe ich gemerkt, was für eine Dimension es hat mit Immobilien zu arbeiten.“

Neben seinen Projekten baute er eine Hausverwaltung auf und zu Beginn der 80er-Jahre begann seine eigentliche Bestimmung als Sachverständiger und in weiter Folge als Bewerter von Immobilien: „Ein damaliger Kollege kam zu mir und fragte mich, ob ich ihm nicht helfen könnte, Gutachten zu verfassen.“ Metzger vertiefte sich in die Materie und tauchte auch immer weiter in die Immobilienwirtschaft ein. 1989 war er FIABCI-Präsident und wurde gebeten, den Weltkongress für die FIABCI in Österreich zu organisieren. Kein leichtes Unterfangen, denn die politische Situation erzeugte einen enormen Gegenwind. Der damalige Bundespräsident war – auf Grund seiner NS-Vergangenheit – für viele Firmen aus dem Ausland ein Grund, die Veranstaltung in Wien nicht zu besuchen. Nach einer Reise rund um die Welt gelang es Metzger schließlich, dass statt der traditionellen 1200 bis 1400 Besucher sogar 2400 kamen: „Ich versuchte allen klar zu machen, dass wir endlich beginnen müssen, an einem Strang zu ziehen und zukunftsorientiert zu denken.“ Nach diesem Triumph – für ihn und Österreich – wurde er in den Weltvorstand der FIABCI berufen und beschäftigte sich dort intensiv mit der Entwicklung der internationalen Immobilienindustrie.
Diese Phase veränderte auch seine Ansichten noch einmal, wie er meinte. Mit seinen zahlreichen Reisen, Kontakten und Gesprächen baute er nicht nur ein weltweites Netzwerk auf, sondern bezeichnet die Zeit noch heute als „superben Lernprozess aus dem ich sehr viel Verständnis und Wissen für meine Arbeit mitgenommen habe. Ich konnte in vielen Ländern lernen, wie die Immobilienwirtschaft funktionierte. Ich habe vor allem gesehen und gelernt, dass Immobilien nahezu 50 Prozent des Volksvermögens ausmachen und damit eine wichtige Bedeutung haben.“

Österreich war zu dieser Zeit noch sehr rückständig, doch Mitte der 90er-Jahre begann auch hierzulande die Globalisierung der Immobilienwirtschaft: Ein guter Zeitpunkt für Alfons Metzger, denn er hatte durch die FIABCI und seine internationale Tätigkeiten einen hohen Bekanntheitsgrad in der Immobilienwirtschaft der Industrieländer: „Die Herausforderung war es, auch in Österreich ein Bewusstsein für die Wertigkeit des Immobilienvermögens zu schaffen, aber ich bin anfangs auf sehr viel Unverständnis gestoßen.“
In die Mitte der 90er-Jahre fiel auch eine seiner größten beruflichen Herausforderungen. Im Zuge der Konsumpleite wurden innerhalb eines Jahres mit 50 Mitarbeitern rund 900 Gutachten bewältigt. „Das Verständnis ist mir damals geblieben, dass es eine riesige Verantwortung ist, wenn man Immobilen bewertet. Man muss nicht nur die Werte exakt definieren, sondern auch Arbeitsplätze schützen.“ Wie es international üblich war, und Metzger hat da bereits genügend Erfahrung, wurden die Immobilien bewertet, in Pakete geschnürt und dann verkauft.

Als seine größten Erfolge sieht er in seiner gesamten Berufslaufbahn in der Immobilienwirtschaft, dass er „Veränderungen durchgesetzt und ein Bewusstsein geschaffen habe für den Wert der Immobilien.“ Sowohl im In- als auch im Ausland. Seine Tätigkeiten als Vorstand und Präsident der TEGoVA waren dafür genauso auschlaggebend, wie sein Wirken als Mitglied und Advisor der sechsköpfige Expertengruppe der UNECE, die sich in den Jahren 2008 – 2012 mit Themen wie Rating und der Bewertung von Immobilien befasste. Diese intensive Auseinandersetzung mit dem Thema ist es wohl auch, warum ihn trotz der Veränderungen im Business eines immer wieder erstaunt: „Dass die Verantwortlichen noch immer nicht draufgekommen sind, dass die Wertbestimmung einer Immobilie oder eines Portfolios von immenser Wichtigkeit sind. Es gibt Regeln in der Bewertung. Über die schaut man viel zu oft hinweg und zahlreiche Bewertungen befinden sich auf einer qualitativen Ebene, dass es beschämend ist und immer zum Schaden von Investoren und Anleger führt.“

Und das, wo doch die Immobilienwirtschaft seiner Meinung eine goldene Zeit vor sich hat: „Wir müssen davon ausgehen, dass in den nächsten 30 bis 35 Jahren rund zwei Milliarden Menschen mehr auf der Erde leben werden und diese Menschen brauchen ein Dach über dem Kopf, einen Arbeitsplatz, soziale Einrichtungen und Freizeitgestaltung. Die große Herausforderung wird in der Erweiterung der Städte liegen.“

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